Schulzeit - Forties und Fifties

Schule ist Einübung in die zivilisierte Gesellschaft. Einerseits ist sie insofern hilfreich, dass man in der ‘Volksschule’  vor allem Schreiben, Lesen, Rechnen lernt - und erst recht hilfreich, wenn man ein  höheres Schul-Niveau zum Abschluss bringen darf (mit Fremdsprachen, Literatur, Mathematik, Biologie, Physik, Geschichte oder irgendwelchen Spezialfächern). Außerdem sollte man geistige und körperliche Ordnung und Disziplin erlernen. Andererseits ist  man den Macken von etlichen Lehrern und auch manchmal von Mitschülern ausgesetzt. Das kann für manchen ziemlich kränkend sein und zu neurotischen Reaktionen führen. Zu der Zeit, als ich in die Gießener ‘Pestalozzischule’ eingeschult wurde (kurz nach dem Krieg, 1947), und auch später in der ‘Schillerschule’ (ab 1950) waren grundsätzlich alle Lehrkräfte - bis auf echt seltene Ausnahmen - mehr oder minder seelisch vermurkste Spießer. Viele schleppten noch die autoritären Relikte der Zeit des 1000-jährigen Reiches mit sich herum, wenn nicht gar die militärischen Ideale dieser glorreichen Zeit, speziell im Turn- und Sportunterricht.

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Ich möchte im Folgenden - zwar nicht ausführlich - aber dennoch einiges, über meine durchaus interessanten Erfahrungen mit der Schulzeit ausbreiten anlässlich der Interpretation einiger Fotos. Die meisten dieser Fotos stammen von mir und meiner Baldinette-Kamera, die mir von meiner Mutter 1953 zu Weihnachten geschenkt wurde. Meine Kamera-Zeit beginnt also 1954 im Alter von 12. Das waren  damals (aus Kostengründen) alles Schwarz-Weiß-Fotos, von denen ich etliche in letzter Zeit (2024-26) KI-mäßig koloriert habe. Das macht die Bilder in der Tat plastischer und deutlicher. Es ist eine wichtige Wahrnehmungsdimension mehr - ganz abgesehen von der malerischen Ästhetik, die dabei ebenfalls manchmal zum Vorschein kommen kann. (Näheres zur Kamera selber - siehe hier).

 

 

Ein allererstes Foto von mir in der Pestalozzischule,  1948-49  also mit 7-8. Es ist ein offizielles, gestelltes Foto, das von jedem Schüler auf diese Weise angefertigt wurde.

 

Manfred Pestalozzi-Schule 1948 oder 1949 - H600-Colorized-Enhanced, Inpaint-560

Man beachte die damaligen Holzbänke für den Frontal-Unterricht. (Mit Löchern für Tintenfässer, damit man den Federhalter dort eintauchen konnte.) Außerdem beachte man die Nachkriegshose (selbstgeschneidert) und den Nachkriegspullover (selbst gestrickt) - was anderes gab es für das normale Volk nicht - und das war schon viel.

Eine Postkarte von der Pestalozzi-Schule von vorm Kriech:

Pestalozzischule+Skagerrak-Anlage - vorm Kriech-Postkarte, Gimp-560

Die Skagerak-Anlage erinnert an ein Marine-Kriegsereignis vom 1. Weltkrieg. Entsprechend fanden an dieser Anlage militaristische Treffen statt. - Diese Anlage hat insofern auch zum Nachkriegs- Zustand der Pestalozzi-Schule ihren eigenen Teil beigetragen. - Nachem Kriech wurde die Anlage zum Froschteich mit fröhlichem Quaken im Konzert mit den Fröschen vom Schwanenteich. Musste dann natürlich abgestellt werden und der Skagerak-Bottich wurde zugeschüttet.

Die Pestalozzischule wurde 1929 neu gebaut (als großes Kakau-Gebäude), und so hat sie nach 45 ausgesehen (siehe auch oben den rechten Teil der Schule):

Pestalozzi-Schule nachem Kriech-Colorized-Enhanced, Struktur hell, Inpaint-560

Die Trümmer-Schule wurde notdürftig wieder hergerichtet (der linke Teil war noch ziemlich intakt) und sie hatte (bei aller Quälerei, die ich das Privileg hatte, dort erfahren zu dürfen) einen wirklich großen Vorteil: Es gab zu meiner Zeit amerikanische Schulspeisung! Morgends Kakau und ein Brötchen und Mittags eine fantastische Nudelsuppe mit ordentlicher Fleisch-Einlage. Man konnte sich auch noch einiges davon als Nachschlag mit nach Hause nehmen.

1950 wurden wir aus unserer Kugelbergwohnung (wg. Schwarzmarktgeschäften mit Amis) von der Stadt (als Eigentümerin) rausgeschmissen und wir tauschten mit der Familie von Mutti’s Schwester die Wohnungen. Diese wohnte in der Innenstadt im ‘Teufelslustgärtchen’ und sie waren offenbar heilfroh in eine ‘solide’ Wohngegend ziehen zu dürfen. Wir selber hatten andererseits mit dieser Teufelslustgärtchen-Wohnung das Große Los gezogen! (Siehe mein Bericht über das Alte Haus von Rocky Tocky).

Allerdings war unsere Wohngegend nicht mehr der Pestalozzischule zugeordnet, sondern genau an der Grenze zu zwei anderen Volksschulen: Der ‘Goetheschule’ und der ‘Schillerschule’. Rektor Ulmer von der Pesta entließ mich aus seiner Audienz im Allerheiligsten mit der schlechtest möglichen Betragensnote: eine Vier! und wünschte mir somit alles Schlechte. Ich hatte ein neurotisches Zuspätkomm-Symptom entwickelt - nach einem bestimmten Ungerechtigkeitsereignis - und das beleidigte die Lehrer (und die eine kath. Religionslehrerin, die mich abgründig hasste) zutiefst. Man dankte mir dies mit dieser 4 zum Abschied. - Meine Mutter ging also mit mir zuerst zur Goethe-Schule, und ohne lange zu fackeln wurde ich wegen meiner 4  der Hilfsschulklasse zugeteilt, wo wohl alle Rabauken und Nichtsnutze der Gummi-Insel gelandet waren. Doch der Hilfsschul-Klassenlehrer Okorn  war vorher an der Pesta einige Zeit schon dort mein Klassenlehrer, und erkannte messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, nämlich dass ich in seine Hilfsschulklasse käme. (Hilfsschule war offiziell was für Dummköpfe, schwachsinnige oder auch vornehm: schwachbefähigte Kinder. Die Gummiinsulaner mögen zwar Assis gewesen sein, aber als blöd würde ich sie nicht ansehen, deshalb landeten in dem Topf der Schwachsinnigen (ich denke: vor allem) auch Kinder mit schlechtem Betragen. Und darunter verstehe ich persönlich noch lange nicht ein hilfloses neurotisches Verhalten des ständigen Zuspätkommens).

Also in die erlauchte Goethe-Schule (wo sie 1942 die Gießener Juden zum Abtransport in die Konzentrationslager sammelten), wurde ich nicht normal aufgenommen. - Jetzt blieb meiner Mutter an diesem Tag nur noch die Schillerschule. Dort kam sie weinend aus dem Rektorenzimmer und ich musste mit dem Gesicht zur Wand stundenlang draußen im dunklen Flur  stehen; diverse Lehrer und Lehrerinnen begutachteten mich dort, um mich sowieso selbstverständlich abzulehnen! Doch dann kam Lehrer Lich, der Lumpensammler der Schule, und mit wirklich freundlichen Worten nahm er mich in seine 65-Schüler Buben-Klasse auf.

 

Hier nun ein Bild dieser Schillerschul-Nachkriegs-Klasse schätzungsweise 1950-51:

50-51-Klasse Lich - Gimp FS-Colorized-Enhanced, Gimp, Lich, Frank, Aulbach, imp-560

Wenn man genau auf das Bild schaut, sieht man drei Personen mit weißer Schrift. Die linke Person ist Lehrer Lich, die mittlere Person ist Rektor Frank und die rechte Person bin ich.

Nach meiner Zählung sind es hier 59 Buben - aber es fehlten sowieso immer einige, meistens sogar etliche. Ein Exot kam immer nur einmal im Jahr - ansonsten gehörte er zu einer reisenden Schaustellertruppe.

Lehrer Lich hatte ein Faible für Landkartenbilder, die er mit bunter Kreide anf der langen Seitentafel des Klassenzimmers malte. Ich erinnere mich noch an die Salzböde, die sich ganz oben im Bild von links  blau in die breitere blaue Lahn rechts schlängelte - und weiter unten war dann Gießen, wo die Lahn einen eleganten Bogen nach Wetzlar macht. Hinten an der Tafel sind eingerahmt 2 solcher Zeichnungen von ihm.

Lich schaut auf dem Bild ziemlich ernst drein. Ich gehe davon aus, dass es an diesem Rektor (seinem Chef) lag, der ja ebenfalls auf dem Foto ist.

Ein Foto, wo er ganz anders drauf ist, stammt vom Gießener Forstgarten, ein Ausflugslokal das unterhalb des Schiffenbergs war. Leider war ich da nicht mit dabei, warum weiß ich auch nicht.

 

Lehrer Lich ca - 1951-Color-Restored-Enhanced-Repaired, Gimp, inpaint, struktur-hell, 560

 

Lehrer Lich ist in meinen Augen ein echter Pädagoge gewesen, der seine Tätigkeit wirklich ernst nahm. Für mich war er jedenfalls sehr segensreich. Ich selber, und auch meine Mutter, wäre nie darauf gekommen, mehr als die ‘Volksschule’ zu absolvieren. Doch er förderte es explizit, dass ich in die neu gegründete ‘Aufbauschule’ kam, den Mittelschulzweig der Schillerschule. Also ein Zwischending zwischen Volksschule und Gymnasium. Und überhaupt hatte er ein sehr wohlwollendes Auge auf mich geworfen. Er gehört zu den drei wirklich großartigen Lehrern, denen ich viel zu verdanken habe - und von denen ich vor allem auch existentielle Anerkennung erfahren habe.

 

1952 wurde ich nach einer Aufnahme-Prüfung in die Aufbauschule übernommen. Das erste Jahr zeichnete sich dadurch aus, dass der Klassenlehrer vor versammelter Schülerinnen- und Schülerschar verkündete: es müsse ein Wunder geschehen, wenn ich noch in das nächste Schuljahr übernommen würde.

52-Prüfung für MIttelschule, Gimp-560

 

Und siehe, das Wunder geschah! Denn an unser Wurstbudchen kam öfters ein älterer Herr, der sich Virginia-Zigaretten kaufte. Dieser war pensionierter Volksschullehrer. Und meine Mutter wurde mit ihm handelseinig bzgl. Nachhilfe für mich für 2 Mark die Stunde - in Naturalien, Virginia-Zigaretten (z.B. Texas oder Collie oder Gold Dollar).

Wurstbude mit Zigarettenreklame, Gimp-560

 

Herr Herbert (der noch während meiner 2 jährigen Nachhilfezeit verstarb und in Lich begraben wurde) wohnte mit seiner Frau oben in einer schönen Bürgerwohnung der Jahrhundertwende in der Ludwigstraße, und in dem großen Zimmer kringelte sich der Rauch der Texas-Zigaretten (oder waren es die hellgrün verpackten ‘Gold Dollar’-Zigaretten?) im Sonnenlichte der 2 hohen Fenster, wenn er mir Nachhilfeunterricht erteilte. Geduldig und zielstrebig ging er mit mir alle Hausaufgaben durch, bis mir der Kopf brummte. Da er am Rhein in der Gegend von Mannheim aufgewachsen war, konnte er mir auch erzählen, wie sie als Jugendliche im Rhein geschwommen sind und sich gerne auf einen der vorbeituckernden Kähne raufgeschwungen haben, um ein Stück den Rhein hoch zu fahren, damit sie sich dann wieder, im Rhein schwimmend, von der Strömung zurücktreiben lassen konnten. - Als ‘Monnheumer’ nannte er mich ‘Monnfredd’ in seinem absolut kompetenten Privat-Unterricht: Er war der zweite großartige Lehrer, dem ich viel zu verdanken habe, und der mich ernst nahm. Dabei nahm er es mit den Stunden nicht so genau: er war engagierter Pädagoge und aus 2 Stunden, die er sich in Zigarettenwährung von meiner Mutter bezahlen ließ, wurden meistens vier. - Natürlich gingen meine Schulleistungen hoch, zumindest hatte ich tatsächlich und regelmäßig meine ‘Hausaufgaben’ gemacht, und der Klassenlehrer musste es hinnehmen.

 

Der Klassenlehrer bei seiner Arbeit

54-06-0005-Klassenlehrer Gimp FastStone-Colorized-Enhanced, inpaint-560

Der Unterricht in der Mittelschule war zwar mit vielen Fächern versehen, doch ging es dabei in der Regel nicht um wirkliches Verständnis oder Können, sondern um einfaches Niederschreiben (mir jedenfalls) vielfach unverständlichem Zeugs oder Abmalen (von geometrischen Zeichnungen oder Diagrammen). (Siehe dazu auch Abbilddidaktik). Das galt analog ebenfalls im Prinzip für das Fach “Leibesübungen” (also Turnen und Sport). D.h. die Schüler wurden (von den allermeisten Lehrern) nicht da abgeholt, wo sie mit ihrer Entwicklung standen und entsprechend weiter entwickelt, sondern wurden eher nach dem Prinzip des “Nürnberger Trichters” abgefertigt. - Was ich persönlich dadurch hauptsächlich in der Mittelschule gelernt habe (außer dem heimlichen Lehrplan) bzw. entwickeln konnte, war das korrekte Schreiben; Rechnen bis zum Dreisatz; einfaches Englisch; eine Spur Französisch [Käss-gesäh?] und auch geometrische Zeichnungen mit Zirkel und Lineal anzufertigen - freilich ohne die Geometrie als solche zu verstehen. So ungefähr. Vielleicht hier und da noch ein bisschen mehr, außerdem - nicht zu unterschätzen - vielerlei Anregungen, was es alles so gibt. Ich will eigentlich der Schule nicht Unrecht tun, sie war schon wirklich wichtig für mich, auch wenn der Unterricht nach meinem Ermessen großenteils die Note 5 (‘mangelhaft’) verdiente.

Nürnberger Trichter-560

 

 

 

Lineal mit cm-Skala, kleines Lineal, Zirkel und Locher

            P6260360-Zirkel und Lineal, imp, rotes Leuchten, Gimp, H600

Diese Utensilien aus den Fifties gehören zu meinem Fundus, aufbewahrt im Hintergrund unserer Dachstyga (zusammen mit vielen sonstigen Vergangenheitsrelikten).

 

 

 

 

 

Die Ausflüge, die wir als Schulklasse unternahmen bewegten sich im Rahmen unserer engeren Heimat. Ich habe Fotos gemacht von folgenden Ausflügen:

Klassenausflug Badenburg im Winter

Klassenausflug Schwanenteich im Winter

Klassenausflug auf den Dünsberg im Sommer

Eine Woche im Landschulheim am Knüllkopf im Spätherbst

Klassenausflug zur Ronneburg im Sommer

 

Voilà:

 

Klassenausflug Badenburg im Winter

54-06-0001-Badenburg Klasse FastStone-Colorized-Enhanced-560

Offenbar nur die Schüler und nicht die Schülerinnen.

 

 

 

 

 

Klassenausflug Schwanenteich im Winter

54-06-0004-Winter auf dem Schwanenteich Klasse -Colorized-Enhanced, Gimp, inpaint-560

 

 

Schwanenteich-Ausflug Moos und Strack FS-Colorized-Enhanced, Gimp, imp-560

Vorne ist ein Junge namens Moos. (Über ihn weiter unten)

 

 

 

54-06-0003-Winterwanderung Klasse FastStone-Colorized-Enhanced, intens Himmel-560

 

Zu der Person in der Mitte möchte ich was sagen (der Junge mit der hellen Anorak-Jacke). Er hieß Walter Saulich und kam aus dem Sudetenland. Er hatte, sozusagen als Ersatz-Mütter, zwei Tanten,  die ihn auf Gescheitheit trimmten, sodass er in der Tat Klassenprimus in unserer Mittelschulklasse war. Ich denke, er war dadurch wirklich in der Lage, einiges von dem Unterrichtsstoff zu verstehen, von dem ich jedenfalls nix verstand. - Wir machten zu Viert eine Radtour zum Rhein mit meinem Amizelt. Seine ‘Mütter’ kamen deswegen ständig zu meiner Mutter an die Wurstbude und machten sich Sorgen um den Jungen. Was allerdings für meine Mutter befremdend war. Unterwegs hatte er mal die Schnauze voll und wollte mit dem Zug nach Hause, was wir andern ihm übelnahmen. Er fuhr dann immerhin doch weiterhin den beschwerlichen Weg ständig bergauf die B3 entlang von Frankfurt nach Gießen - auch noch bei trübem Wetter. - / Schnitt / 12 Jahre später, 1967, trafen wir uns in Berlin an der Freien Universität in einem Seminar über Geschichte der Mathematik. Er studierte zu der Zeit Wirtschaftsingenieur an der TU (Technische Universität), währenddessen ich an der FU Mathematik studierte und die ganze damalige Studentenrevolution sozusagen im Zentrum mitmachte und miterlebte.

 

 

 

 

Klassenausflug auf den Dünsberg im Sommer

 

Der Dünsbergturm mit einigen Girls der Klasse:

54-08-0024-Klassenausflug Dünsberg - Girls am Turm-Colorized-Enhanced, FastStone-560.

Im Hintergrund sieht man schon den Rauch eines zünftigen Feuers, in welchem evtl. einige der Würstchen gebraten wurden, die meine Mutter für den Ausflug spendiert hatte - die konnte man natürlich auch kalt essen.

54-08-0005-Klassenausflug Dünsberg - Feuer-Colorized-Enhanced, FastStone-560

 

 

 

 

 

54-08-0027-Klassenausflug Dünsberg - alle Girls FastStone-Colorized-Enhanced, FastStone-560-2

 

 

 

 

 

Wolfgang Simonis am Dünsbergturm

              54-Gemini_Generated_Image_4npact4npact4npa-Wolfgang Simonis, FS, imp, H600

Er war, wie ich, kath. Meßdiener. Dadurch hatten wir eine gewisse Geimeinschaftlichkeit. - Seine Mutter erzählte mir bei der Busfahrt von Fulda nach Gießen (nach der 1200-Jahrfeier des Bonifatius vor dem Fuldaer Dom), wir saßen nebeneinander, dass sie eine adlige Familie seien. Ich habe allerdings wenig bis gar nix davon verstanden. Adel kannte ich nur von Filmen (Robin Hood oder so) oder vielleicht noch von den “Illustrierte Klassiker”-Heftchen.

 

 

 

 

 

Zwei Girls als Gäste bei der Wanderung hoch zum Dünsberg. Sie gehörten nicht zur Schulklasse:

         54-Ausschnitt 2 Girls - dfe97aad-3cb3-4cef-9588-ab5964e98e03, imp, H600

 

 

 

 

 

Eine Woche im Landschulheim am Knüllkopf im späten Herbst

 

Blick vom Landschulheim aus hoch zum Knüllköpfchen

54-05-0029-Knüllkopf vom Landschulheim aus-Colorized-Enhanced, Cyan-560

(Anmerkung: 1978 kam oben ein Aussichtsturm hin. Möglicherweise hatte der Hubschrauberabsturz 1959 das  Knüllköpfchen abrasiert, wodurch ein freies Plateau entstand, das später für den Turm benutzt wurde.)

 

 

Am Knüllköpfchen direkt:

54-05-0031-am Knüllköpfchen direkt Gimp FS imp-Colorized-Enhanced, cyan-560

 

 

54-05-0032-am Knüllkopf Ausschnitt Gimp-Colorized-Enhanced, impx2, warme F-560

...warum die KI dem fröhlichen Jungen (er hieß Flimm) eine rote Kappe aufgesetzt hat, kann ich mir nur so erklären, dass sie weiß, dass hier das “Rotkäppchen-Land” ist: so KI’s sind halt schrecklich schlau! - Der untere Junge ist Wolfgang Nees, zu der Schulzeit damals so eine Art Boxprofi, gegen den ich Null Chance hatte und ganz schnell das Kämpfchen mit ihm aufgab. Er war also der Champion in unserer Klasse.

 

 

 

 

 

Der Blick vom Knüllkopf oben runter auf das damalige Landschulheim (der Stadt Gießen)

54-05-0030-Landschulheim vom Knüllkopf aus-Colorized-Enhanced, cyan, inpaint-560

Sollte ich noch von dem Englisch-Lehrer erzählen dem zweiten Lehrer im Bunde zusammen mit dem Klassenlehrer dort in dem Landschulheim? (Er war der  Nachfolger von Pohlig - darüber weiter unten.) Also gut: Der hatte eine Frau abgeschleppt und kam mit ihr die Treppe hoch in sein Schlafgemach, was ja an sich völlig uninteressant ist, und mich auch nicht im geringsten beschäftigt hat. Nur hatte ich das beim Frühstück nebenbei erwähnt. Und jetzt kommt die Pointe: Er versuchte penetrant mir meine nächtliche Wahrnehmung auszureden: sozusagen ich spinne, und bilde mir das nur ein. Da ich keinerlei Veranlassung sah, an meiner Wahrnehmung und an meinem Gedächtnis zu zweifeln, zog ich mir allerdings offenbar seinen bleibenden Hass zu; wie sich der äußerte, das noch zu erzählen, würde hier zu weit führen. Ich verstand damals überhaupt nicht, warum er mir das partout ausreden wollte. Wo war denn das Problem? Der kann doch die Treppe hochstiefeln, mit wem er will, das interessiert mich doch nicht!

 

 

 

 

 

Weg runter nach Schwarzenborn

54-05-0035-Weg vom Knüllkopf nach Schwarzenborn-Enhanced-Colorized, Struktur hell-560

2 oder 3 mal sind wir in dem Kaff am Fuße des Berges gewesen. Die 2 km den steilen Weg wieder hoch waren ein ganz schöner Schlauch! Bei diesem Knüllaufenthalt waren übrigens nur die Jungen, keine Mädchen dabei.

 

 

 

 

 

Klassenausflug zur Ronneburg im Sommer

 

Büdingen - die Boys der Klasse (außer natürlich dem Fotografen mit seiner Baldinette).

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Ich kommentiere jetzt ein paar von ihnen. Der zweite von links ist der Klassenprimus, Walter Saulich (siehe oben), den ich 1967 wieder in Berlin in einem Seminar an der FU getroffen habe. Der vierte von links ist Wolfgang Nees, jener Profi-Boxer, der unser Champion in der Klasse war (siehe oben). Der fünfte von Links hat später einen gut gehenden Friseur-Salon am Gießener Bahnhof übernommen (er hieß Zatecky und war, soviel ich weiß, aus dem Sudetenland). In den Seventies war ich Stammkunde dort. Der siebte von links hieß Moos: der kleinste der Jungen war handwerklich und technisch echt fit. Er assistierte beispielsweise dem Chemie-Lehrer bei Bunsenbrenner, Glaskolben usw. Der achte von links war Wolfgang Simonis der, wie ich, katholischer Messdiener war. Der Neunte lächelt zwar, hatte aber einen schweren Stand in dieser Gruppe, was ihn, denke ich, sehr unglücklich gemacht hat.

 

 

 

 

 

Weg zur Ronneburg

54-04-0016-Ronneburg mit Weg-Colorized-Enhanced, Spritz, FS-560

 

 

 

Turm der Ronneburg

        54-04 - a2ffdaa8-e2a1-4978-a404-3e09e3b9756e, H600

 

 

 

 

 

Die Mädchen der Klasse an der Ronneburg

54-04-0010-alle Girls der Klasse an der RB-Enhanced-Colorized, Gimp, Struktur hell, imp-560

Es waren zu der Zeit fast dreimal so viele Mädchen in der Klasse als Jungen. D.h. eine Klassenstärke von insgesamt ca. 40. Es gab auch noch ziemlich viele Fluktuationen: jährlich und auch zwischendurch diverse Zugänge und Abgänge. Manche in der Klasse waren mir deswegen regelrecht unbekannt (übrigens auch auf dem Foto). - Noch zu erwähnen:  Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass Mädchen und Jungen in der Klasse zwei definitiv verschiedene Welten waren.

 

 

 

 

 

Ein gut gelaunter Teil der Schulklasse

54-04-0018-Teil der Schulklasse am Felsen-Enhanced-Colorized, struktur hell, imp-560

Links sieht man deutlich unseren Klassenprimus Walter Saulich und rechts im gestreiften Sommerkleid sieht man eine schöne Aufnahme von Marianne Hubel. Sie stammte, wie Walter Saulich, ebenfalls aus dem Sudetenland und war die Favoritin des Klassenlehrers - sozusagen the female frontrunner der Klasse.

 

 

 

 

 

Zwei gut gelaunte Lehrer auf dem Weg von der Ronneburg zum Bus

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Links ist der Klassenlehrer und rechts ist Lehrer Heinz Nagel. Er unterrichtete Chemie, Physik und Französisch. - Mit ihm hatte ich in zweierlei Hinsicht besonders zu tun. Erstens war er Briefmarkensammler wie ich und wir konnten Marken tauschen. Er hatte speziell Marken vom ‘Generalgouvernement’, also die zwischen 1938 und 1945 von den Deutschen besetzte Tschechoslowakei. Zweitens fühlte er sich als Chemie- und Physiklehrer aufgerufen (nach dem Manifest der Göttinger 18 vom April 1957) an der Bewegung “Kampf dem Atomtod”, die 1958 virulent war, aktiv teilzunehmen. Auch ich selber war in dieser Bewegung involviert, sodass wir einiges miteinander diesbezüglich zu tun hatten. Später, ab 1960,  gehörte er aktiv zu der Partei “Deutsche Friedensunion”.

 

Lehrer Nagel als Redner bei ‘Kampf dem Atomtod’

Nagel bei Kampf dem Atomtod Gimp FS-Colorized-Enhanced, imp-560

Die Kundgebung fand am 12.06.1958 auf dem Gießener Marktplatz statt. Rechts vom Pult sitzt Kirchenpräsident Dr. Martin Niemöller - Er ist der Hauptredner. Ein weiterer Redner war Albert Osswald, der damalige Gießener Oberbürgermeister, später Hessischer Ministerpräsident (um 1972). Man sieht ihn links durch den Redner-Pult durchkucken.

 

 

 

 

 

Christa Duhme

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Christa Duhme hatte den Namen einer bekannten Gießener Speditionsfirma: sie war die Tochter.

Wir waren unterwegs - ich weiß nicht mehr wie - eine Zeitlang abseits von den übrigen Schülern. Und so gelang mir diese Aufnahme von Christa in einem seelenvollen Moment mit dem kleinen Kätzchen im Arm.

 

 

 

 

 

Der wartende Bus für die Rückfahrt nach Gießen

54-04-0036-Der Bus FS-Enhanced-Colorized, Spritzlichter, imp-560

Es wurde ja auch Zeit, wenn man die Wolken so sieht...

 

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Ich hab ja schon durchblicken lassen, daß mich die damalige Schule als Institution eigentlich ziemlich abgeturnt hat. Allerdings gab es eine Ausnahme (“Einen gibt’s immer”, um den Andreas Christinidis zu zitieren), nämlich damals in der Mittelschule den Lehrer Pohlig. Sein Englisch-Unterricht war das genaue Gegenteil vom ‘Nürnberger Trichter’ (siehe Karikatur), denn er versuchte uns junge Menschen dort abzuholen wo wir tatsächlich waren. Insofern ist es nur allzu verständlich, dass er sich nicht auf irgendwelche Hausaufgaben verließ. Bei ihm gab es schlicht keine Hausaufgaben! Denn alles was wir lernten, lernten wir schon bei ihm im Klassenzimmer, zum Beispiel Vokabeln. - Sein Unterricht war lebendig und ich selber war einer seiner wachsten Schüler in seinem spannenden Unterricht. Deshalb schätzte er mich ganz besonders. Er nahm mich also wirklich ernst.

Nur leider, leider war diese frohe Zeit mit ihm nach 1-2 Jahren beendet. Denn aufgrund seiner didaktischen Fähigkeiten wurde er als einer der drei besonderen, besten Englisch-Lehrer in der amerikanischen Besatzungszone ausgewählt für einen halbjährigen Aufenthalt in den USA. Dort ist er dann geblieben und wurde Gärtner. Tja, c’est la vie!

54-06-0013-Pohlig Christa-Colorized-Enhanced, inpaint-560

Hier sieht man Lehrer Pohlig wie er einer Schülerin während seines Unterrichts zum  Geburtstag gratuliert. Das Mädchen hier vorne, das sich so freundlich zu dem Fotografen mit seiner Balidinette umdreht, ist Christa Duhme, von der ich schon oben beim Ronneburg-Ausflug zum Schluss berichtet habe (siehe Foto). - Wenn man sich das Bild genauer ansieht, erkennt man, mit welcher Freundlichkeit und Offenheit Pohlig in seinem Unterricht agierte - was auch die Schülerinnen auf dem Foto offenbar wieder zur entsprechenden Resonanz-Reaktion anregte.

 

 

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Der Sportplatz vom Turnverein 1846 am Oswaldsgarten

TV 1846-Colorized-Enhanced, FS, Leuchten, FS, imp-560

Hier waren wir im Sommer relativ oft mit dem Klassenlehrer. Der kleine Sportplatz war nicht weit von der Schillerschule. Ich kann mich allerdings nur daran erinnern, dass wir Weitwurf in Richtung des Bahndamms der Nord-Südstrecke Kassel-Ffm geübt hatten. Kann durchaus auch sein, dass wir über ein Netz Volley-Ball gespielt haben. Die helle Fläche war sandig und eben. - Links sieht man übrigens noch eine Kriegs-Ruine. Das Foto kann also durchaus aus der hier betrachteten Schulzeit stammen. - Im Zuge des Neuaufbaus und Umbaus der Stadt Gießen ist dann auch dieses Kleinod bald Vergangenheit geworden.

 

 

 

 

 

Eine Zeitlang hatten wir Sport bei Erwin Knauß

Knaus-1-Colorized-Enhanced, Gimp, fS-560

Das Foto ist im nachmittäglichen Schulhof der Schillerschule gemacht. Im Hintergrund sieht man die Fenster der Turnhalle und den Eingang. Es handelt sich um Jungen aus verschiedenen Schulklassen. In der unteren Reihe sind jedenfalls die ersten 5 von rechts aus meiner Klasse. Der zweite von rechts bin ich selber. - Erwin Knauß hatte eine Parallelklasse der Mittelschule als Klassenlehrer. Sein Sportunterricht zeichnete sich durch eine gewissen Härte aus, hab ich jedenfalls so in Erinnerung. Beispielsweise werde ich nicht vergessen, wie er uns Runde um Runde um den Schulhof im Schnelltempo rennen ließ. Und der dritte Schüler unten von rechts rannte einmal in der Turnhalle im vollen Anlauf gegen den Sprung-Kasten, statt die vorgesehene Übung zu machen. Knauß schimpfte ihn dafür lautstark aus. - Erwin Knauß hat lange gelebt, er war Professor und Vorsitzender des Gießener Geschichtsvereins. Hier ist ein Nekrolog in der Gießener Allgemeine vom 03.04.2019:

Erwin Knauß im Alter von 91 Jahren gestorben

Für die einen war Erwin Knauß Lehrer für Sport und Geschichte an Volks- und Realschulen in Gießen, ab 1971/72 als Professor für Sozial- und Kulturwissenschaft an der Fachhochschule Gießen-Friedberg (bis 1984). Für andere war er der engagierte Sportler, der den FH-Hochschulsport beförderte und viele Menschen zum aktiven Vereinssport brachte; der Hand- und Fußballer war seit über 80 Jahren Mitglied beim MTV 1846 Gießen. Knauß war zudem in der Evangelischen Kirche engagiert und kümmerte sich um lebenslänglich Inhaftierte der Strafanstalt Dietz. Andere erinnern ihn als Stadtarchivar, sein nebenberufliches Engagement, und als Vorsitzenden des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen (1977-1991). In dieser Funktion war er auch Herausgeber der jährlich erscheinenden »Mitteilungen« des OHG. Zahlreiche Publikationen zur Lokal- und Regionalgeschichte hatte Knauß seit 1958 verfasst. Im Gedächtnis werden vor allem die ersten Aufarbeitungen zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Gießen (1974, 4. Auflage 1987) und Wieseck (1975) bleiben. Berufungen in vier Historische Kommissionen erfolgten ab den 1960er Jahren.”

 

 

Hier noch ein Ausschnitt aus einem zweiten Foto dieser Gruppe

Knaus-2-Colorized-Enhanced, Ausschnitt, Gimp, imp-560

Ganz rechts ist Wolfgang Simonis (siehe oben) - und der zweite von rechts bin ich selber.

 

 

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Eine völlig neuartige Situation ergab sich für mich 1956. Denn ich war seit September 1956 Mitglied der Sozialistischen Jugend ‘Die Falken’ in Gießen. Es war sozusagen die Jugendorganisation der SPD. Die hatten ein schönes neues Vereinsheim an der Lahn (nähe Schlachthof). Dort hatte ich persönlich einen ganz anderen Stand und hatte am lfd. Meter völlig neuartige geistige Anregungen - teilweise sehr anspruchsvolle (Wochenend-Lehrgänge, Schulungen in Ffm, usw.)

Nur 1 Beispiel:

Weil das mein Spezialthema tangiert, habe ich hier sozusagen zufällig ein Buch von Leo Kofler: Soziologie des Ideologischen. Kohlhammer, Stuttgart usw. 1975. Dieser Leo Kofler war mehrfach als Referent bei uns in Gießen bei Wochenend-Seminaren (um 1956-1957 herum). Ein für mich wichtiges Thema von ihm in dem Buch ist Bildung: “Naturalistische Bildung und dialektische Bildung” - sehr empfehlenswert, seine drei Stufen der Bildung! (Um hier nur kurz auf die geistige Dimension dieses Referenten hinzuweisen).

 

Treffen mit den Wetzlarer Falken im August-Bebel-Haus in Wetzlar

Falken - Treffen Wetzlar-Giessen FS-Colorized-Enhanced, Gimp, imp-560

Vorne links sitzt Hildrun Pausch (aus Wetzlar). Hinter der mittleren Gitarrespielerin ist (im weißen Hemd) mein Freund Karlheinz Steller, der mich damals 1956 zu den Falken mit genommen hatte. Hinter ihm sitzt der fröhliche Hermann Momberger, mit dem ich später eine starke Freundschaft hatte. Rechts im weißen Hemd ist unser Ortsverbandsleiter Heinz Althaus, dem ich viel zu verdanken habe. Der sieht nicht nur sportlich aus, der war auch ein interessanter Sportler, durch den ich - beispielsweise -  die Schillerschul-Turnhalle auf ganz andere Weise kennengelernt habe, nämlich, wenn der Ring- und Stemmklub dort ab und zu Abends mit Gaudi zu Gange war. In Gießen hat er kürzlich eine Gedenktafel als einer besonderen Sportsfigur erhalten.

Dass ich bei den Falken durchaus anerkannt und geachtet war, erkennt man daraus, dass ich  zum Gruppenleiter gewählt wurde (siehe Gruppenleiter-Ausweis).

Wie zeigte sich als erstes meine neue geistige Entwicklung im Unterricht?

Die Lehrer (also nicht nur der Klassenlehrer) waren ziemlich platt, dass ich (der Aulbach!) locker aus der Hand im Unterricht ein langes Schriftstück über die Deutsche Revolution von 1848 verfasst hatte. Desweiteren fertigte ich danach über’s Wochenende (18.03.1957) ein 6-Seiten Din A4 Schriftstück als ausführliche geschichtliche Darstellung an. Ich habe die letzte Seite im Faksimile bei den Dokumenten eingefügt. (Soweit zum Thema ‘Fleiß’).

Für meinen geistigen Aufschwung durch die Mitgliedschaft bei den Falken trifft zu, was Ringelnatz lyrischerweise so treffend niederschrirb:

  • Und auf einmal - -: Steht es neben dir,
    An dich angelehnt - -
    Was?
    Das, was du so lang ersehnt.

Nämlich Lebenssinn und damit in Zusammenhang: geistige Entwicklung.

Ich war also in eine qualitativ neue Phase meines Lebens (mit 14-15) eingetreten.

Wie hat sich das speziell auf die Schule ausgewirkt?

Die wichtigste Neuerung, an die ich mich erinnern kann, war meine dadurch entstehende Gemeinsamkeit mit einem der Mitschüler, als wir beispielsweise im Schulhof mit den anderen Jungs diskutierten, die der festen Ansicht waren, “Kriege wird es immer geben”.

Hier ist ein Foto von diesem Mitschüler bei der Gießener Kundgebung “Kampf dem Atomtod” (Juni 1958), von der ich schon im Zusammenhang mit dem Lehrer Heinz Nagel berichtete (siehe oben).

Werner Deeg

       Werner Deeg - Kundgebung KdA FS-Enhanced-Colorized-H600

Nachdem der Mittelschulzweig im Gießener Vorort Wieseck aufgelöst wurde, kamen ca. 10 dieser Schüler und Schülerinnen zu uns in die Klasse. Darunter war auch Werner Deeg. Er war der Sohn der bekannten Gießener Kommunisten Ria und Walter Deeg. Ria Deeg, die selbst mal Stadtverordnete war, sollte vor einigen Jahren eine Büste wichtiger Gießener (u.a. Carl Vogt, 1848) erhalten, was aber von der CDU-Fraktion verhindert wurde. Ich selber hatte mit Ria und Walter Deeg dann ziemlich intensiv zu tun. Sie hatten vielerlei aus ihrem Leben und überhaupt zu berichten. Es gab z.B. auch eine gemeinsame Fahrt mit Ria Deeg zur Einweihung der Buchenwald Mahn- und Gedenkstätte (Sept. 1958), etc.

Meine Backbencher-Stellung konnte/durfte ich aufgeben, indem ich nun neben Werner Deeg auf einer der Zweier-Bänke links von ihm saß. Wir hatten uns allerlei Politisches zu erzählen, sodass wir öfters mal zur Ruhe gemahnt werden mussten. Einmal fragte er mich ganz trocken, ob ich Lust hätte nach Moskau zu fahren, kostet 145 Mark. - Na klar war meine prompte Antwort. Und so geschah es, dass ich (wegen meiner Gruppenleitereigenschaft bei den Falken) einer der Auserwählten war zur Teilnahme an den 6. Weltfestspielen Juli-August 1957 in Moskau (siehe hier).

Durch diese Reise hat sich mein geistiger Horizont erheblich vor allem auch künstlerisch, musikalisch - und überhaupt -  erweitert. Und durch die folgenden Einladungen in die DDR erst recht (z.B. “Haus der Begegnung”  mit Schriftstellern, vor allem Stephan Hermlin; Treffen u.a. in der Berliner Akademie der Künste, in Dresden, Brotterode usw. Etliche Besuche im Theater am  Schiffbauer Damm in Berlin mit noch den Original-Besetzungen der Stücke von Bertolt Brecht - und vieles mehr.

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Ein echt interessantes Ereignis ergab sich in der Schule bzgl. meines Religionsunterichtes. Darüber möchte ich zum  Abschluss meines Berichtes über die Mittelschule noch einiges referieren.

Ich war als gläubiges katholisches Kind aufgewachsen. Nun aber wurde für mich die Religion zum Problem. Der Religionslehrer war ziemlich fanatisch und war entsprechend allergisch gegenüber Gegenmeinungen in seinem Unterricht. So zum Beispiel behauptete er, dass das Schamgefühl natürlich und angeboren (also gottgegeben) sei. Damit meinte er sicherlich die Bedeckung der männlichen und weiblichen Geschlechtsteile. Dies wurde von mir angezweifelt, wobei mich ein Mitschüler, der neben mir saß (Zuber), unterstützte. Das trieb den Religionslehrer so in Weißglut, dass er uns lautstark zurief, dass wir ein Brechmittel für ihn seien, und dass wir uns raus, außerhalb der Eingangstür, zu stellen hätten. - Dies zu seiner Charakteristik.

Und es begab sich zu der Zeit, da der Religionslehrer für etliche Wochen abwesend war, dass ein Jesuitenpater den Unterricht vertretungsweise übernahm. Mit diesem hatte ich nach einiger Zeit ausgemacht, wenn er will, dass ich seinen Unterricht nicht durch lästige Fragen weiterhin störe, könnte ich doch einfach mit seiner Erlaubnis vom Unterricht fernbleiben. Was er als schlauer Jesuit akzeptierte.

Für mich bedeutete das konkret, dass ich beim Alex Walldorf in seinem schönen Kiosk am Oswaldsgarten (vor dem Bahndamm Ecke Unterführung Rodheimer Straße) ein Plauderstündchen bei einer Flasche Bier abhalten konnte.

Alex Walldorfs Kiosk am Oswaldsgarten-2 cyan FS-Color-Restored-Enhanced-560

 

 

Der Religionslehrer, als er zurückkam, war empört, dass ich seinem Unterricht fernblieb und betrieb deshalb meinen Rauswurf von der Mittelschule beim Rektor. Dazu gab es ein Gespräch: Religions-Lehrer, Klassenlehrer, Rektor und ich im Rektorenzimmer. - Ich bildete mir damals ein, ab 14 könne man die Teilnahme selber bestimmen lt. Hessischer Verfassung.

Richtig war: Mit 14 war ich religionsmündig, ich  konnte über meine Konfession entscheiden (Kircheneintritt, -austritt, Glaubenswechsel).

Falsch war: Die Teilnahme am Religionsunterricht war nicht Teil dieser Religionsmündigkeit. Darüber mussten die Erziehungsberechtigten entscheiden, lt. Hessischer Verfassung von 1946 Art. 58.

Mit dieser falschen Vorstellung also bewaffnet, verkündete ich schließlich zum Ende des Gesprächsverslaufs, dass ich dann vor Gericht gehen werde, worauf hin der Rektor klein beigab. Vielleicht war ihm der Unterschied selber nicht richtig klar und er ging ebenfalls (logischerweise) davon aus: wenn man religionsmündig ist, kann man auch den Religionsunterricht kündigen. Denn er sagte abschließend: “das geht aber nur am Ende des Schuljahrs”, um sich noch einen kleinen Gesichtsgewinn zu erobern.

Vor Gericht hätte ich dennoch gute Karten gehabt - Vielleicht war es das, was er wusste (und dass es sowieso keinen Sinn mehr hatte, dass ich am Religionsunterricht weiterhin teilnehme).

Ein Ausschluss von der Schule war nur bei schwerem Fehlverhalten, nachhaltiger Störung des Schulbetriebs oder Gefährdung anderer angemessen. Ansonsten, wie in meinem Fall,  ‘unverhältnismäßig’

Interessant ist der historische Blickwinkel: 1972 nämlich wurde diese widersprüchliche Sachlage in Hessen geändert, als Albert Oswald (SPD, früherer OB von Gießen, siehe oben) Ministerpräsident war, mit einem hervorragenden Kultusminister Ludwig von Friedeburg.

Die Hessische Verfassung wurde ein klein wenig per Gesetz ergänzt:

„Eine Abmeldung vom Religionsunterricht ist möglich. Hierüber entscheiden die Eltern, nach Vollendung des 14. Lebensjahres die Schülerinnen und Schüler.“ (§ 8 Abs. 3 des Hessischen Schulgesetzes).

Dieses Gesetz markiert sicherlich eine Entwicklung, die mit der antiautoritären Studentenbewegung (den 68ern) zu tun hatte. Mein Konflikt war demnach ein früher Vorläufer der späteren Bildungs- und Autoritätskritik der 68er.

Solcherlei Aussagen wie die folgenden könnten typisch gewesen sein für diese Zeit:

„Der erste Autoritätskonflikt meines Lebens war mit einem Religionslehrer.“

„Ich wurde rausgeschickt, weil ich nach der Evolution fragte.“

„Ich bekam eine 5, weil ich die Jungfrauengeburt anzweifelte.“

„Ich sollte mich entschuldigen, weil ich sagte, die Bibel sei nicht wörtlich zu nehmen.“

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Ich bin nun am Ende mit meinem Bericht über die Mittelschule. Anschließend, 1958-59 war ich noch auf der Einjährigen Höheren Handelsschule in Gießen. Was ich dort neu lernte war vor allem das 10-Finger-System des Maschinenschreibens, etwas Spanisch und eine Ahnung von Buchführung. Interessant sind meine Führungsnoten, wenn man sie mit der Mittelschule vergleicht:

  • Betragen: sehr gut
  • Fleiß: gut
  • Aufmerksamkeit: gut
  • Ordnung: gut

Mein Abitur machte ich auf dem 2. Bildungsweg im ersten Kursus am Hessenkolleg Wetzlar von 1963 bis 1966 unter der Leitung von Werner Pusch (davor Bundestagsabgeordneter der SPD), dem ich viel zu verdanken habe! Es war für mich (und meinen Freund Günter Siebert) eine sehr poetische Zeit!

Dieses Foto von mir, in der Hessenkollegszeit 1965 in Wetzlar von meiner Freundin Uschi aufgenommen, zeigt vielleicht jene poetische, romantische Stimmung:

65-01-Manfred, Wetzlar-c2089ab3-9836-47f4-b9f9-519dee36084b-Struktur dkl, Gimp, imp-560

 

 

 

 

 

Hier geht’s  zu den Dokumenten (Zeugnissen usw.)

 

Hier geht’s zu meiner Kamera, die Baldinette, mit der auch dieses obige Farbfoto in Wetzlar aufgenommen wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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