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Die Baldinette-Kamera von 1953

Man musste die Belichtung und die Blende per Hand einstellen. Eine Automatik gab es nicht. Ab 1956, anläßlich der Spanienreise, benutzte ich auch einen Belichtungsmesser in der Größe etwa einer damaligen Zigarettenschachtel mit einem Zeiger, der je nach Licht hin- und her- pendelte. Damit konnte ich zur mir passenden Belichtung die Blende (meistens 5.6, 8 oder 11) korrekt einstellen - oder umgekehrt.

Rechts in dem Fensterchen stellt man mit dem Drehknopf auf der rechten Seite die Zahl (von 1 bis 12), die der Zeiger angibt ein. dann hat man eine Tabelle mit zusammenpassenden Werten von Blende und Belichtungszeit. (Hier ist ein Link zur Gebrauchsanweisung für den Belichtungsmesser - to all whom it may concern).
Die Verschlusszeit der Kamera ging von 1/25 bis 1/200 sek. Die Filme bestimmten die ISO-Zahl, entweder 17 oder 21. Die Filme musste man hinten, durch Öffnen der Rückseite (mit dem Pfeil, den man oben auf dem Bild sieht), rechts einlegen und vorsichtig in die Spule links einfädeln, und dann ein Stück schon transportieren. Es gab Filme mit 36 und solche mit 24 Bildern. Per Hand wurde der Film mit dem Drehrad (auf dem Bild ganz unten) weitertransportiert, wobei die neue Anzahl der schon geknipsten Bilder oben rechts angezeigt wurde. Bevor man auslösen konnte, musste vorne am Objektiv ein kleiner Spannhebel nach unten gedrückt werden. Erst danach war die Kamera bereit für das nächste Foto. - Oben auf der Kamera war ein ‘Schuh’ für eine Art Lampe in der ein Blitzlichtbirnchen steckte, das nach jedem Blitz ausgetauscht werden musste. Zum genauen Fokussieren benutzte man oben den optischen Sucher, in den man reinschauen musste. - Die Kamera kostete 1953 ca. 100 Mark - in den USA 40 Dollar. Ich denke, sie war für den Preis eigentlich eine ziemlich perfekte Kamera! Ich benutzte sie bis 1966. Dann war ich bis 1973 sozusagen kamera-abstinent (was eigentlich bedauerlich ist, weil das sehr interessante Jahre waren).
Was ich eigentlich mit dieser relativ ausführlichen Beschreibung der Handhabung sagen will: Es ist ein historischer Rückblick, der einem klarmachen kann, wie einfach heutzutage das Fotografieren geworden ist! Und last not least, - dass das ‘Fotografieren’, damals in den Fifties, vor allem aufgrund der Komplexität der Handhabung der Kamera, keine Allerweltsangelegenheit war, sondern eher eine Angelegenheit für Leute, die fasziniert waren von dieser relativ neuartigen technischen Möglichkeit der Weltkenntnis und realistischen (z.B. privaten) Erinnerung. In meiner Klasse damals, beispielsweise, war ich der Einzige, der mit einer Kamera (bei Gelegenheit) herumschoss.
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